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Organisationsentwicklung
KI-Einführung: Laut Roland-Berger-Studie 2026 scheitern KI-Projekte an Fähigkeiten und Strukturen, nicht an der Technik. Was Geschäftsführer jetzt tun.

Christoph Gredel

Wenn eine KI-Einführung keinen messbaren Wert liefert, liegt die Ursache selten in der Technologie. Als größte Hürden der KI-Transformation nennen Führungskräfte fehlende KI-Fähigkeiten und Kompetenzen (49 Prozent) sowie ungeeignete Organisationsstrukturen und Prozesse (37 Prozent) – die Technologie folgt erst auf Platz drei mit 34 Prozent (Roland Berger, „The AI-First Organization“, 2026). Für Geschäftsführer ist das eine unbequeme, aber wichtige Erkenntnis: Wer viel Zeit in die Auswahl der richtigen Software steckt, aber wenig in die Frage, wie Organisation und Belegschaft mitgenommen werden, riskiert genau das Projekt, in das er investiert hat.
Wenn KI-Projekte ins Stocken geraten, liegt der Reflex nahe, nach technischen Gründen zu suchen: falsche Tool-Auswahl, unzureichende Datenqualität, fehlende Schnittstellen. Die Roland-Berger-Studie, für die zwischen Dezember 2025 und April 2026 weltweit 472 Führungskräfte aus großen und mittelständischen Unternehmen befragt wurden (35 Prozent davon aus der DACH-Region), zeichnet ein anderes Bild: Die Technik ist die kleinste der drei großen Hürden.
Zwei weitere Zahlen aus derselben Studie verdeutlichen die Ursachen besser: 59 Prozent der Befragten halten ihr eigenes Führungsteam für nicht ausreichend auf die bevorstehenden Veränderungen vorbereitet. Und während 62 Prozent große oder sogar radikale Veränderungen ihres Betriebsmodells durch KI erwarten, haben erst 38 Prozent mit der entsprechenden Transformation begonnen. Zwischen Anspruch und Umsetzung klafft also eine erhebliche Lücke – und sie liegt in der Organisation, nicht im Serverraum.
Das verändert die Frage, die sich Geschäftsführer stellen sollten. Nicht „Welche KI-Lösung passt zu uns?“, sondern „Ist unsere Organisation bereit, mit dieser Lösung tatsächlich zu arbeiten?“

Aus der eigenen Beratungspraxis kennen wir dieses Muster gut. Besonders deutlich zeigt es sich aktuell in Branchen, die zwei Entwicklungen gleichzeitig durchlaufen: einen starken Fokus auf KI-Einführung und parallel dazu Personalabbau. Diese Kombination ist für Mitarbeitende schwer auszuhalten. Wenn ein Unternehmen in neue Technologie investiert und im selben Zeitraum Stellen abbaut, liegt der Schluss nahe, dass die KI nicht nur Aufgaben ersetzt, sondern Menschen.
Ein Beispiel aus der Beratungspraxis: In einem aktuellen, anonymisierten Beratungsprojekt in genau einer solchen Branche wurde dieser Zusammenhang zum zentralen Change-Thema, deutlich vor allen technischen Fragestellungen. Nicht weil die Mitarbeitenden die Technologie ablehnten, sondern weil niemand ihnen glaubwürdig erklärt hatte, was die Einführung für ihre eigene Rolle bedeutet. Das Ergebnis war Zurückhaltung, stellenweise offener Widerstand, und ein Projekt, das technisch funktionierte, aber im Arbeitsalltag kaum ankam.
Die Studie bestätigt diese Beobachtung aus der Praxis: Über den Erfolg einer KI-Einführung entscheiden die Menschen, ihre Fähigkeiten und die Strukturen, in denen sie arbeiten – nicht die Reife der Technologie.
Widerstand gegen KI ist selten Technikfeindlichkeit. Er ist fast immer ein Signal für etwas anderes: Unsicherheit über die eigene Zukunft im Unternehmen, das Gefühl, vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden, oder die Sorge, dass die eigene Erfahrung durch ein System entwertet wird. Die Studienzahlen stützen diese Lesart: Wenn fehlende Fähigkeiten die größte Hürde sind, heißt das übersetzt, dass viele Mitarbeitende schlicht nicht wissen, wer sie künftig sein werden, wenn KI als Werkzeug an ihrer Seite arbeitet.
Wer diese Signale ignoriert und stattdessen nur auf Schulungen zur Bedienung setzt, behandelt ein emotionales und organisatorisches Problem mit einem rein technischen Werkzeug. Was es tatsächlich braucht, ist ein klares Bild der künftigen Rolle jedes Mitarbeitenden – und dahinter stehen echter Lernaufwand und Verhaltensänderungen, die begleitet werden müssen. Das erklärt, warum viele KI-Einführungen auf dem Papier professionell geplant wirken und trotzdem in der Umsetzung scheitern.
Die Studie zeigt auch, worin sich Unternehmen, die bei der KI-Transformation bereits messbar vorankommen, vom Rest unterscheiden – und die Unterschiede liegen fast ausschließlich in der Organisation. 58 Prozent der Vorreiter bauen KI-Kompetenzen breit über alle Funktionen hinweg auf, bei den Nachzüglern sind es nur 14 Prozent. 65 Prozent arbeiten auf einer gemeinsamen Technologieplattform (Nachzügler: 18 Prozent), 88 Prozent treffen systematisch datenbasierte Entscheidungen, 73 Prozent arbeiten in cross-funktionalen agilen Teams (Roland Berger, 2026).
Bemerkenswert ist, welche Variable laut Studie den größten Effekt hat: die Kultur. KI-Adoption wird erst dann selbsttragend, wenn Lernen, Experimentieren und Veränderung im Alltag verankert sind. Das deckt sich mit unserer Erfahrung aus der Kulturentwicklung: Technologie lässt sich kaufen, Veränderungsbereitschaft nicht.
Die zentrale These aus unserer Beratungspraxis lässt sich einfach zusammenfassen: Wer Mitarbeitende bei der KI-Einführung nicht mitnimmt, verliert das Projekt an Ablehnung, nicht an Bugs. Change-Kommunikation und -Begleitung sind deshalb kein Nice-to-have, sondern der eigentliche Erfolgsfaktor.
Für Geschäftsführer bedeutet das konkret, vier Ansatzpunkte ernst zu nehmen:
1. Frühzeitig und ehrlich über Auswirkungen sprechen. Mitarbeitende merken sehr genau, wenn Informationen zurückgehalten werden. Wer offen benennt, welche Aufgaben sich verändern und welche nicht, schafft Vertrauen, selbst wenn die Antworten unbequem sind. Schweigen wird fast immer als Bestätigung der schlimmsten Vermutung gelesen.
2. Mitarbeitende vor der Einführung einbinden, nicht danach. Pilotgruppen, Feedback-Runden und die Möglichkeit, Bedenken direkt zu äußern, verändern die Wahrnehmung eines Projekts von „wird uns übergestülpt“ zu „wurde mit uns entwickelt“. Das kostet Zeit vor dem Rollout, spart aber deutlich mehr Zeit bei der Akzeptanz danach.
3. Führungskräfte auf allen Ebenen als Übersetzer befähigen. Die direkte Führungskraft prägt die Akzeptanz eines Teams stärker als jede zentrale Kommunikation aus der Geschäftsführung. Der größte Nachholbedarf liegt laut Studie genau hier, auf der Führungsebene. Wer Teamleiter nicht selbst überzeugt, qualifiziert und ausreichend informiert, verliert ihre Teams gleich mit.
4. Ängste benennen, statt nur Chancen zu betonen. Eine Kommunikation, die ausschließlich von Effizienzgewinnen spricht, wirkt für Mitarbeitende, die um ihre Rolle fürchten, wie Ignoranz. Wer die Sorge um Arbeitsplätze aktiv anspricht, nimmt ihr die Kraft, im Verborgenen zu wachsen.

Bevor die nächste KI-Einführung startet, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf die eigene Organisation:
Wer diese Fragen ehrlich beantwortet, erkennt oft schon vor dem Projektstart, wo der eigentliche Widerstand entstehen wird.
Die Konsequenz aus dem Hürden-Ranking der Studie ist nicht, weniger in KI zu investieren. Sie lautet, das Budget anders zu verteilen: mehr Zeit und Aufmerksamkeit für Fähigkeiten, Strukturen und Change-Kommunikation, weniger blindes Vertrauen darauf, dass eine gute Lösung sich von selbst durchsetzt. Gerade im Mittelstand, wo Entscheidungswege kurz und Teams überschaubar sind, liegt darin ein Vorteil, den größere Konzerne oft nicht haben: Geschäftsführer können mit ihren Mitarbeitenden direkt sprechen, statt über mehrere Führungsebenen hinweg zu kommunizieren.
Wer die nächste KI-Einführung plant, sollte sich deshalb weniger fragen, ob die Technologie ausgereift ist, und mehr, ob die eigene Organisation auf die Veränderung vorbereitet ist. Diese Frage zu stellen, bevor das Budget verteilt ist, kostet wenig. Sie nicht zu stellen, kostet erfahrungsgemäß das Projekt.
Quelle: Roland Berger, „The AI-First Organization – Turning AI power into enterprise performance“ (Juli 2026, 472 befragte Führungskräfte weltweit, Erhebung Dez 2025–Apr 2026): rolandberger.com · Pressemitteilung
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Über den Autor
Christoph Gredel
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Gründer changeXperten | Beratung, Coaching & Training für die erfolgreiche Weiterentwicklung von Organisationen, Teams & Führungskräften: 📈 +65 % höhere Zielerreichung ⏱️+25 % schnellere Umsetzung 💸+220 % ROI