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Organisationsentwicklung
IW-Studie mit 1.640 Personalverantwortlichen: Vertrauen und Betriebsklima hängen mit Krisenfestigkeit zusammen. Was Geschäftsführer daraus machen können.

Christoph Gredel

Unternehmen mit gelebter Vertrauenskultur kommen besser durch Krisen – das ist der Kernbefund einer Studie der Stiftung Familienunternehmen und des IW Köln unter Leitung von Prof. Dominik Enste, für die 1.640 Personalverantwortliche in deutschen Unternehmen befragt wurden (zitiert nach Markt und Mittelstand, 20.07.2026). Betriebsklima, Vertrauen und Wir-Gefühl korrelieren demnach nachweisbar mit höherer Krisenfestigkeit, geringerer Fluktuation und besseren wirtschaftlichen Ergebnissen. Wichtig dabei: Die Studie sagt nicht, dass Kapital unwichtig wäre – sie sagt, dass Kultur mindestens ebenso entscheidend ist. Für Geschäftsführer, die Krisenfestigkeit bislang vor allem als Zahlenfrage verstanden haben, verschiebt das den Blick von der Bilanz auf die Belegschaft, ohne die Bilanz zu entwerten.
Bevor die Ergebnisse in Handlungsempfehlungen übersetzt werden können, lohnt ein genauer Blick auf die Datenbasis. Befragt wurden Personalverantwortliche in deutschen Unternehmen insgesamt – der Erkenntniswert liegt im Vergleich zwischen Familienunternehmen und Nicht-Familienunternehmen.

In den befragten Familienunternehmen bewerten 95 Prozent der Personalverantwortlichen das Betriebsklima positiv, 88 Prozent berichten von einem starken Wir-Gefühl und 90 Prozent von großem Vertrauen innerhalb der Belegschaft (Stiftung Familienunternehmen/IW Köln, 2026). Auffällig ist nicht allein die Höhe dieser Werte, sondern ihr Zusammenhang mit harten Ergebnissen: Laut IW Köln korrelieren sie nachweisbar mit geringerer Fluktuation, höherer Krisenfestigkeit und besseren wirtschaftlichen Ergebnissen. Ein gutes Betriebsklima ist damit kein netter Zusatz, sondern ein Frühindikator dafür, wie eine Organisation reagiert, wenn Umsatz, Aufträge oder Lieferketten unter Druck geraten.
Der zweite Befund liegt im direkten Vergleich: 77 Prozent der Familienunternehmen bewerten ihre Anpassungsfähigkeit als sehr gut, bei Nicht-Familienunternehmen sind es 72 Prozent (Stiftung Familienunternehmen/IW Köln, 2026). Fünf Prozentpunkte wirken zunächst klein. In einem Umfeld aus schwacher Konjunktur, Fachkräftemangel und geopolitischer Unsicherheit entscheidet aber genau diese Differenz häufig darüber, ob Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden oder in Abstimmungsschleifen steckenbleiben. Die Studie führt den Vorsprung auf strukturelle Merkmale zurück, die Familienunternehmen begünstigen: kurze Entscheidungswege, langfristige Eigentümerstrukturen und eine stärkere Identifikation der Beschäftigten – und eine Kultur, die Fehler eher als Lernchance denn als Karriererisiko behandelt.
Zur Redlichkeit gehört eine Einschränkung, die man kennen sollte: Personalverantwortliche bewerten hier das Klima ihrer eigenen Organisation. Die Werte sind also Selbstauskünfte, keine objektive Messung – und 95 Prozent positives Betriebsklima dürfen skeptisch machen. Der Erkenntniswert der Studie liegt deshalb weniger in der absoluten Höhe der Zahlen als im Zusammenhang, den sie sichtbar macht: Wo Vertrauen und Zusammenhalt als hoch beschrieben werden, wird auch die Krisenfestigkeit höher eingeschätzt. Genau dieser Zusammenhang deckt sich mit dem, was wir in der Beratungspraxis beobachten.
Damit lässt sich die zentrale These der Studie unternehmerisch statt moralisch begründen. Es geht nicht darum, dass Führungskräfte nett zueinander sein sollten, sondern darum, dass Vertrauen die Reaktionsgeschwindigkeit und Stabilität einer Organisation in der Krise direkt beeinflusst.
Vertrauen wirkt in Krisen an mehreren Stellen gleichzeitig, auch wenn es sich in keiner Bilanzposition wiederfindet:
Jeder dieser Effekte lässt sich am Ende in Umsatz, Durchlaufzeiten oder Fluktuationskosten übersetzen.
Das Gegenstück ist ebenso konkret. In Beratungsgesprächen mit changeXperten wiederholt sich seit Jahren ein Muster: Wenn Geschäftsführer oder HR-Leitungen über Verunsicherung im Unternehmen sprechen, führt die Ursache fast immer auf mangelnde Transparenz und fehlendes Vertrauen zurück, nicht auf die eigentliche wirtschaftliche Lage. Typische Symptome aus solchen Gesprächen:
Jedes dieser Symptome kostet Zeit, Energie und am Ende Geld – gerade dann, wenn ein Unternehmen jede Reserve braucht. Vertrauen fehlt in der Krise nicht plötzlich, es hat schlicht nie in ausreichendem Maß bestanden.

Aus den Ergebnissen leitet die Studie drei Handlungsfelder ab, die Führungskräfte direkt in der Hand haben – unabhängig davon, ob das eigene Unternehmen familiengeführt ist oder nicht.
Menschen tragen mit, was sie verstehen. Eine Entscheidung ohne Begründung füllt jeder Mitarbeitende mit seiner eigenen Geschichte, und die ist selten die beste. Führungskräfte sollten deshalb die Gründe für Veränderungen proaktiv erklären, statt Ergebnisse nur zu verkünden – das gilt für die Reorganisation genauso wie für den Sparkurs.
Was oben besprochen und unten nur geahnt wird, kommt als Gerücht an. Die Studie empfiehlt, Strategien über die Führungsebene hinaus transparent zu machen. Wer die Richtung kennt, kann auch in unruhigen Phasen selbstständig entscheiden – und genau diese Entscheidungsfähigkeit in der Breite unterscheidet anpassungsfähige Organisationen von trägen.
Wer nur ausführt, wartet in der Krise auf Anweisungen. Wer mitgestalten durfte, übernimmt Verantwortung, gerade wenn es schwierig wird. Ergänzend nennt die Studie eine offene Fehlerkultur, Investitionen in Weiterbildung und systematisches Wissensmanagement – denn mit jedem ungeplanten Abgang geht nicht nur eine Stelle verloren, sondern auch eingespieltes Vertrauen.
Viele der strukturellen Vorteile, die die Studie den Familienunternehmen zuschreibt, hat der Mittelstand insgesamt: kurze Wege, überschaubare Teams, direkter Draht zwischen Geschäftsführung und Belegschaft. Das ist unsere Einordnung aus der Beratungspraxis – die Voraussetzungen sind da, sie werden nur nicht immer genutzt. Zwei Ansatzpunkte haben sich bewährt.
Der wirksamste erste Schritt ist selten ein neues Programm, sondern eine ehrlichere Kommunikation über die tatsächliche Lage des Unternehmens. Mitarbeitende verzeihen schlechte Nachrichten eher als das Gefühl, zuletzt informiert zu werden. Wer regelmäßig, auch in unsicheren Phasen, offen über Zahlen, Entscheidungen und Unsicherheiten spricht, baut genau das Wir-Gefühl auf, das die Studie mit Krisenfestigkeit in Verbindung bringt. Das bedeutet nicht, jede interne Kennzahl offenzulegen, sondern konsequent zu erklären, warum eine Entscheidung fällt und wo die Geschäftsführung selbst noch unsicher ist.
Neben der Transparenz braucht eine belastbare Vertrauenskultur eine methodische Grundlage, die über gute Absichten hinausgeht. In der Praxis hat sich eine Kombination aus drei Bausteinen bewährt: ein gemeinsam erarbeitetes Leitbild, das Orientierung gibt, statt nur an der Wand zu hängen (Leitbildentwicklung); Führungskräfte, die in offener, konfliktfähiger Kommunikation trainiert und gecoacht werden (Führungskräfte-Coaching); und moderierte Formate, in denen Spannungen frühzeitig angesprochen werden, bevor sie zu stillem Misstrauen werden (Konfliktmoderation).
Die Studie der Stiftung Familienunternehmen und des IW Köln (2026, 1.640 befragte Personalverantwortliche) belegt einen Zusammenhang zwischen Vertrauenskultur und Krisenfestigkeit: Unternehmen mit hohem Vertrauen, gutem Betriebsklima und starkem Wir-Gefühl berichten von höherer Anpassungsfähigkeit, geringerer Fluktuation und besseren wirtschaftlichen Ergebnissen. Vertrauen ersetzt keine Kapitaldecke – aber es entscheidet mit darüber, ob eine Organisation ihre Reserven im Ernstfall überhaupt auf die Straße bringt. Aufgebaut wird diese Reserve in ruhigen Zeiten, nicht in der Krise.
Wer wissen möchte, wo das eigene Unternehmen beim Thema Vertrauen und Zusammenhalt tatsächlich steht, statt es nur zu vermuten, findet im kostenlosen Unternehmenskultur-Test von changeXperten eine erste Standortbestimmung in rund zehn Minuten. Im Anschluss unterstützen wir Sie dabei, aus den Ergebnissen konkrete Schritte für Ihre Kulturentwicklung abzuleiten – damit Vertrauenskultur nicht Anspruch bleibt, sondern gelebte Praxis wird.
Quelle: Stiftung Familienunternehmen / IW Köln, Prof. Dominik Enste (2026, 1.640 befragte Personalverantwortliche). Zitiert nach: Markt und Mittelstand, 20.07.2026, marktundmittelstand.de
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Über den Autor
Christoph Gredel
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Gründer changeXperten | Beratung, Coaching & Training für die erfolgreiche Weiterentwicklung von Organisationen, Teams & Führungskräften: 📈 +65 % höhere Zielerreichung ⏱️+25 % schnellere Umsetzung 💸+220 % ROI