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Führungskräfteentwicklung

Mitarbeiter in die Schranken weisen: Umgang mit schwierigen Mitarbeitern und Konflikten im Team

Ein Mitarbeiter überschreitet wiederholt Grenzen, blockiert Meetings oder torpediert die Zusammenarbeit. Kommt Ihnen das bekannt vor? Mitarbeiter in die Schranken weisen klingt hart, ist in der Praxis aber oft genau das, was Führung braucht: Klarheit, Haltung und konsequentes Handeln. Dieser Artikel zeigt Ihnen, wie Sie mit schwierigen Mitarbeitern umgehen, Konflikte konstruktiv klären und dabei Beziehung wie Leistung sichern.

Christoph Gredel Gründer changeXperten

Christoph Gredel

Führungskraft weist Mitarbeiterin in die Schranken

Warum das Thema so viele Führungskräfte beschäftigt

Montagmorgen, Jour fixe. Das Team sitzt zusammen, die Agenda ist klar, die Zeit knapp. Und trotzdem driftet das Gespräch immer wieder ab – weil ein Mitarbeiter Diskussionen dominiert, Absprachen relativiert oder subtil gegen Entscheidungen arbeitet. Sie merken, wie sich innerlich Spannung aufbaut. Sie könnten jetzt hart eingreifen. Oder es laufen lassen, um die Stimmung nicht weiter zu belasten. Viele Führungskräfte entscheiden sich in diesem Moment fürs Aushalten. Nicht, weil sie es nicht besser wüssten, sondern weil sie genau wissen, wie heikel solche Situationen sind.

Genau hier liegt der Kern, warum Mitarbeiter in die Schranken zu weisen so viele Führungskräfte beschäftigt. Es geht nicht um einen einzelnen schwierigen Mitarbeiter. Es geht um den dauerhaften Spagat zwischen Klarheit und Beziehung, zwischen Führung und Kollegialität, zwischen Anspruch und Realität. Führungskräfte stehen heute unter dem Anspruch, verbindlich zu führen, ohne autoritär zu wirken, und empathisch zu sein, ohne Grenzen aufzuweichen. Das klingt gut – ist im Alltag aber alles andere als trivial.

Psychologisch ist gut erklärbar, warum dieses Thema so belastend ist. Konflikte erzeugen Stress, weshalb unangenehme Gespräche häufig aufgeschoben werden – mit der Folge, dass sich Probleme verfestigen. Im Führungskontext wirkt das besonders stark, weil Teams sehr genau beobachten, ob und wie Führung eingreift. Bleibt Klarheit aus, entstehen informelle Regeln, die Zusammenarbeit und Vertrauen schleichend untergraben. Gleichzeitig fehlt in vielen Organisationen eine klare Übersetzung von Werten in konkretes Verhalten, sodass Führungskräfte Grenzen immer wieder neu und allein definieren müssen. Mitarbeiter in die Schranken zu weisen ist deshalb kein Zeichen von Führungsversagen, sondern eine der anspruchsvollsten Führungsaufgaben überhaupt: Sie verlangt Haltung, Klarheit und Beziehungskompetenz zugleich.

Angespannte Stimmung in ernstem Teammeeting

Problem verstehen: Was heißt eigentlich „schwierig“?

Wenn Führungskräfte von „schwierigen Mitarbeitenden“ sprechen, ist damit selten eine einzelne Eigenschaft gemeint. Meist geht es um wiederkehrende Verhaltensweisen, die Zusammenarbeit erschweren, Energie binden oder Führung unnötig kompliziert machen. Genau hier lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Denn nur wer versteht, was konkret schwierig ist, kann angemessen reagieren – statt pauschal zu bewerten oder im Ungefähren zu bleiben.

Typische Verhaltensmuster, wenn ein Mitarbeiter Probleme macht

In der Praxis zeigen sich Schwierigkeiten fast immer über Verhalten, nicht über Absicht. Führungskräfte erleben Situationen, in denen Absprachen wiederholt unterlaufen, Verantwortung weitergereicht oder Grenzen getestet werden. Häufig passiert das nicht offen konfrontativ, sondern subtil und kontinuierlich – und genau das macht es so herausfordernd.

Typische Muster, die im Alltag immer wieder auftauchen, sind unter anderem:

  • Zusagen werden gemacht, aber nicht eingehalten, ohne dass es angesprochen wird.
  • Entscheidungen werden offiziell akzeptiert, später jedoch infrage gestellt oder ausgebremst.
  • Kritik wird indirekt geäußert, etwa über Dritte oder in Nebenbemerkungen.
  • Verantwortung wird relativiert („Dafür war ich nicht zuständig“, „Das war so nicht klar“).
  • Meetings werden dominiert, andere Stimmen übergangen oder Diskussionen gezielt verschleppt.

Solche Verhaltensweisen wirken auf den ersten Blick oft harmlos. In der Summe erzeugen sie jedoch Reibung, Frust und Unsicherheit im Team. Mitarbeiter in die Schranken weisen heißt an dieser Stelle nicht, jedes Detail zu sanktionieren, sondern Muster zu erkennen und klar zu adressieren, bevor sie zur neuen Normalität werden.

Warum Führungskräfte Verhalten oft falsch einordnen

Ein häufiger Stolperstein liegt in der Interpretation. Führungskräfte neigen dazu, Verhalten entweder zu schnell zu personalisieren („Der ist einfach schwierig“) oder zu sehr zu rationalisieren („So schlimm ist das noch nicht“). Beides hilft nicht weiter. Entscheidend ist die Wirkung des Verhaltens – nicht die vermutete Motivation dahinter.

Hinzu kommt, dass problematisches Verhalten oft situationsabhängig ist. Ein Mitarbeiter kann fachlich stark sein und gleichzeitig im Miteinander Grenzen überschreiten. Gerade leistungsstarke Mitarbeitende erhalten dann implizit mehr Spielraum, weil ihre Ergebnisse stimmen. Das sendet jedoch ein klares Signal an das Team: Leistung rechtfertigt Verhalten. Spätestens hier wird der Umgang mit schwierigen Mitarbeitern zur Führungsfrage mit kultureller Wirkung.

Hilfreich ist daher ein Perspektivwechsel:

  • Welche Auswirkungen hat das Verhalten auf Zusammenarbeit, Vertrauen und Entscheidungsfähigkeit?
  • Welche Signale nehmen andere Teammitglieder wahr?
  • Was passiert, wenn dieses Verhalten unverändert bestehen bleibt?

Diese Fragen schaffen Abstand zur Person und lenken den Blick auf das, worum es in Führung letztlich geht: arbeitsfähige Strukturen und verlässliche Zusammenarbeit. Wer Schwierigkeiten so einordnet, schafft die Grundlage dafür, Grenzen klar, fair und wirksam zu setzen – ohne vorschnelle Urteile und ohne das Problem kleinzureden.

Sonnenbrille zeigt den Ozean durch einen Filter als Symbol für Perspektivwechsel

Klar führen statt eskalieren: Was wirklich hilft, wenn Verhalten Grenzen überschreitet

Wenn Führungskräfte merken, dass ein Mitarbeiter Probleme macht, entsteht oft der Wunsch nach einer schnellen Lösung. Ein klares Wort, eine Ansage, um den Mitarbeiter in die Schranken zu weisen und dann soll bitte wieder Ruhe sein. In der Praxis funktioniert das selten nachhaltig. Wirksame Führung entsteht nicht durch spontane Interventionen, sondern durch ein bewusstes Zusammenspiel aus Haltung, Struktur und Gesprächsführung.

Haltung vor Methode: Warum innere Klarheit den Unterschied macht

Bevor Sie ein Gespräch führen oder den Mitarbeiter in die Schranken weisen, entscheidet sich vieles auf Ihrer inneren Ebene. Führungskräfte, die unsicher sind, ob ihr Eingreifen „gerechtfertigt“ ist, senden unbewusst widersprüchliche Signale. Das Gegenüber spürt diese Unsicherheit – und testet Grenzen oft weiter aus. Mitarbeiter in die Schranken weisen beginnt daher nicht mit Worten, sondern mit einer klaren inneren Position.

Hilfreich ist hier ein Konzept aus der Führungspsychologie: Rollen- und Auftragsklarheit. Gemeint ist die bewusste Trennung zwischen persönlicher Beziehung und professioneller Führungsrolle. In Ihrer Rolle als Führungskraft haben Sie den Auftrag, für Zusammenarbeit, Leistung und klare Rahmenbedingungen zu sorgen – nicht dafür, es allen recht zu machen. Wenn diese innere Klarheit fehlt, werden Gespräche schnell persönlich, rechtfertigend oder defensiv geführt.

Sind Rolle und Auftrag hingegen klar, verändert sich der Blick auf schwieriges Verhalten. Sie reagieren nicht mehr aus persönlicher Betroffenheit, sondern aus Verantwortung für das Gesamtsystem. Genau das macht es möglich, Verhalten ruhig und sachlich zu adressieren, ohne sich angegriffen zu fühlen oder in Diskussionen über Sympathie oder Motive zu geraten.

Viele Führungskräfte berichten uns im Führungskräfte-Coaching, dass allein diese innere Klärung Gespräche spürbar verändert. Wer weiß, wofür er steht – und wofür nicht –, wirkt ruhiger, klarer und konsequenter. Grenzen werden dann nicht lauter, sondern verständlicher gesetzt.

Führungskraft steht aufrecht und demonstriert innere Klarheit

Das passende Gesprächsformat wählen – und sauber trennen

Ein häufiger Fehler besteht darin, unterschiedliche Anliegen in ein einziges Gespräch zu packen. Kritik, Konflikt, persönliche Irritation und Zukunftserwartung vermischen sich – mit dem Ergebnis, dass nichts richtig geklärt wird. Gerade im Umgang mit schwierigen Mitarbeitern ist die Wahl des richtigen Formats entscheidend.

Grundsätzlich lassen sich zwei Situationen unterscheiden:

Abgrenzung von Kritik- und Konfliktgespräch
Abgrenzung von Kritik- und Konfliktgespräch
  • Geht es um wiederholtes, regelwidriges Verhalten, braucht es ein strukturiertes Kritikgespräch mit klaren Erwartungen und Konsequenzen.
  • Geht es um Spannungen, Missverständnisse oder unterschiedliche Erwartungen, ist ein Konfliktgespräch sinnvoll, das beiden Sichtweisen Raum gibt.

Diese Trennung ist kein formales Detail, sondern sorgt für Orientierung und Fairness. Vertiefende Hinweise finden Sie auch in unseren Artikeln zum Kritikgespräch professionell führen und zum Konfliktgespräch mit Mitarbeitern. Führungskräfte, die diese Unterscheidung beherrschen, erleben Gespräche deutlich strukturierter – und weniger emotional aufgeladen.

Zudem haben wir ein Set mit Leitfäden für verschiedene Mitarbeitergespräche entwickelt, das Sie praxisnah mit Beispielszenarien und Formulierungshilfen in der Gesprächsführung unterstützt. Sie können das Set kostenlos herunterladen und direkt im Arbeitsalltag anwenden.

Kostenlose Vorlage Kritikgespräch Vorschau

Kostenloses Vorlagen-Set für Mitarbeitergespräche

Check Schritt-für-Schritt-Anleitungen
Check Konkrete Formulierungshilfen
Check Beispielszenarien zur Vorbereitung

Klarheit, Konsequenz und Beziehung gleichzeitig im Blick behalten

Eine der größten Herausforderungen besteht darin, Grenzen zu setzen und gleichzeitig die Arbeitsbeziehung zu erhalten. Studien aus der Führungsforschung zeigen, dass wirksame Führung nicht entweder beziehungs- oder sachorientiert ist, sondern beides verbindet. Genau das macht es anspruchsvoll.

Konkret heißt das:

  • Verhalten klar benennen, ohne die Person abzuwerten.
  • Erwartungen eindeutig formulieren, statt auf Einsicht zu hoffen.
  • Konsequenzen transparent machen und später auch umsetzen.

Gleichzeitig bleibt Raum für Dialog. Fragen nach der Sicht des Mitarbeiters helfen, Hintergründe zu verstehen, ohne die eigene Führungsrolle aufzugeben. Diese Balance ist lernbar – etwa im Rahmen von Führungskräftetrainings, in denen Gesprächsführung, Haltung und Praxis miteinander verknüpft werden.

Führungskräfte, die hier investieren, berichten oft von einer spürbaren Entlastung. Gespräche werden kürzer, klarer und wirkungsvoller. Und genau das ist der Kern: Mitarbeiter in die Schranken zu weisen wird dann nicht zum Kraftakt, sondern zu einem selbstverständlichen Teil professioneller Führung.

So weisen Sie Mitarbeiter wirksam und souverän in die Schranken

Spätestens im Führungsalltag entscheidet sich, ob Klarheit nur ein guter Vorsatz bleibt oder tatsächlich Wirkung entfaltet. Genau hier hakt es bei vielen Führungskräften: Sie wissen grundsätzlich, dass sie eingreifen müssten, sind sich aber unsicher, wie sie es konkret tun sollen, ohne die Situation eskalieren zu lassen. Die folgenden vier Schritte zeigen, wie Sie Mitarbeiter in die Schranken weisen, ohne Beziehung oder Autorität zu verspielen – pragmatisch, nachvollziehbar und umsetzbar im Alltag.

Mitarbeiter in 4 Schritten in die Schranken weisen
Mitarbeiter in 4 Schritten in die Schranken weisen

Schritt 1: Beobachtbares Verhalten präzise benennen

Im Teammeeting wird eine Entscheidung vorgestellt, die zuvor gemeinsam abgestimmt war. Kurz darauf meldet sich ein Mitarbeiter und relativiert den Beschluss: „Das ist so aber schwierig umzusetzen“ – nicht zum ersten Mal. Die Stimmung kippt leicht, andere halten sich zurück. Was jetzt zählt, ist Präzision.

Statt das Verhalten pauschal zu bewerten, benennen Sie konkret, was passiert ist. Sie beschreiben die Situation sachlich und zeitnah: wann, wo und wie sich das Verhalten gezeigt hat. Dadurch bleibt das Gespräch auf der Sachebene. Mitarbeiter in die Schranken weisen bedeutet hier, Klarheit über Fakten zu schaffen – nicht über Charakter.

Diese Art der Ansprache reduziert Verteidigungshaltung, weil sie nachvollziehbar ist. Gleichzeitig signalisieren Sie Führung: Dieses Verhalten bleibt nicht unkommentiert, wird aber fair behandelt.

Führungskraft benennt beobachtetes Verhalten vor dem Team

Schritt 2: Erwartungen und Grenzen eindeutig formulieren

Ein Mitarbeiter liefert fachlich gute Ergebnisse, hält sich jedoch nicht an Absprachen zur Zusammenarbeit. Aufgaben werden eigenständig umpriorisiert, Deadlines verschoben, Rückfragen bleiben liegen. Lange Zeit wurde das toleriert, weil „die Leistung ja stimmt“. Genau hier entsteht ein klassischer Führungskonflikt: Leistung wird höher gewichtet als Verbindlichkeit – und Grenzen verschwimmen.

In diesem Schritt geht es darum, Erwartungen so zu formulieren, dass sie nicht als persönliche Meinung, sondern als verbindlicher Rahmen verstanden werden. Mitarbeiter in die Schranken weisen bedeutet hier, klar zu sagen, welches Verhalten künftig erwartet wird – konkret, überprüfbar und ohne Relativierungen.

Hilfreich ist es, Erwartungen immer entlang weniger klarer Punkte zu formulieren:

  • Was erwarte ich konkret an Verhalten?
  • In welchem Rahmen gilt diese Erwartung (z. B. Termine, Meetings, Abstimmungen)?
  • Was ist nicht verhandelbar, unabhängig von Leistung oder Situation?

Damit Erwartungen nicht abstrakt bleiben, hat sich folgende einfache Struktur bewährt:

  1. Konkretes Verhalten benennen, das künftig gelten soll.
  2. Zeitliche oder organisatorische Klarheit schaffen, damit Verlässlichkeit entsteht.
  3. Gemeinsames Verständnis sichern, indem die Erwartung kurz zusammengefasst wird.

Wichtig ist dabei die sprachliche Klarheit. Formulierungen wie „Ich erwarte, dass …“ oder „Ab jetzt gilt für mich …“ sind deutlich, ohne aggressiv zu sein. Sie machen Führung sichtbar und geben Orientierung. Gerade im Umgang mit schwierigen Mitarbeitern ist diese Eindeutigkeit oft der Punkt, an dem sich Gespräche erstmals wirklich bewegen.

Führungskraft führt persönliches Gespräch mit Mitarbeiter und formuliert Erwartungen und Grenzen

Schritt 3: Konsequenzen klar benennen – ohne zu drohen

Das Verhalten wurde benannt, die Erwartung ist klar formuliert – und trotzdem ändert sich wenig. Termine werden erneut gerissen, Absprachen nur halb eingehalten, das Muster bleibt bestehen, obwohl Sie Ihren Mitarbeiter in seine Schranken gewiesen haben. Spätestens hier geraten viele Führungskräfte ins Schwimmen: Sie wollen konsequent sein, aber nicht eskalieren. Genau deshalb ist dieser Schritt so entscheidend.

Konsequenzen sind keine Sanktionen und auch kein Machtmittel. Sie sind die logische Fortsetzung klarer Erwartungen. Wichtig ist dabei, ruhig zu bleiben und nur das anzusprechen, was Sie tatsächlich beeinflussen und umsetzen können. Leere Ankündigungen untergraben Ihre Glaubwürdigkeit schneller als jedes schwierige Gespräch.

In der Praxis geht es häufig um arbeitsbezogene Folgen – etwa Aufgaben, Verantwortlichkeiten oder weitere Schritte im Führungsprozess. Entscheidend ist, dass die Konsequenz nachvollziehbar zum Verhalten passt und nicht überraschend kommt. Sie knüpft an das zuvor Gesagte an und macht deutlich: Führung meint Verbindlichkeit, nicht Beliebigkeit.

Für die Gesprächsführung helfen klare, sachliche Formulierungen, die Orientierung geben, ohne zu drohen:

  • „Wenn sich daran nichts ändert, werde ich die Aufgabenverteilung anpassen.“
  • „Sollte dieses Verhalten weiter auftreten, müssen wir das formell festhalten und weiter besprechen.“
  • „Mir ist wichtig, dass klar ist: Das ist keine Option, sondern eine Erwartung.“

Diese Sätze wirken nicht durch Schärfe, sondern durch Konsequenz. Sie machen deutlich, dass Führung handlungsfähig ist. Gleichzeitig lassen sie Raum, das Ruder noch herumzureißen.

Führungskraft benennt Konsequenzen des Verhaltens

Schritt 4: Dialog ermöglichen – ohne die Führungsrolle zu verwässern

Nach Klarheit und Konsequenzen folgt der Teil, der oft übersehen wird – und zugleich entscheidend ist, damit Veränderung tatsächlich gelingt. Der Dialog. Nicht als offene Diskussionsrunde über die Grenze selbst, sondern als Raum, um Verständnis zu schaffen und Umsetzung möglich zu machen. Mitarbeiter in die Schranken weisen heißt nicht, Gespräche zu beenden, sondern sie richtig zu führen.

In der Praxis zeigt sich dieser Moment häufig so: Der Mitarbeiter reagiert mit Rechtfertigungen, verweist auf Zeitdruck, fehlende Informationen oder widersprüchliche Erwartungen. Jetzt entscheidet sich, ob Führung souverän bleibt. Sie hören zu, fragen nach und nehmen Hinweise ernst – ohne die zuvor gesetzte Erwartung wieder aufzuschnüren. Der Dialog dient der Klärung von Rahmenbedingungen, nicht der Neuverhandlung von Grenzen.

Konkret hilft es, den Fokus im Gespräch bewusst zu steuern:

  • Was hat das Verhalten bislang erschwert?
  • Welche Unterstützung oder Klarheit wird benötigt, um die Erwartung einzuhalten?
  • Was ist der nächste konkrete Schritt im Alltag?

So entsteht ein Gespräch, das lösungsorientiert bleibt. Sie signalisieren Interesse und Respekt, behalten aber die Führungsrolle klar bei sich. Viele Führungskräfte berichten, dass gerade dieser Schritt den Unterschied macht: Grenzen werden akzeptiert, weil sie nicht als Machtausübung erlebt werden, sondern als fairer Rahmen für Zusammenarbeit.

Am Ende steht keine Einigung über alles, sondern Verbindlichkeit über das Nächste. Genau darin liegt der Mehrwert dieses Schritts – und der Grund, warum Klarheit und Beziehung sich nicht ausschließen müssen.

Mitarbeiterin sitzt mit Kollegen im Stuhlkreis und erzähltt

Warum Führung allein nicht mehr reicht – und wann das Problem größer ist als eine Person

Auch wenn Sie Gespräche sauber führen, Erwartungen klären und konsequent handeln, gibt es Situationen, in denen sich Verhalten trotzdem nicht nachhaltig verändert. Führungskräfte spüren dann oft: „Ich tue eigentlich alles Richtige – aber es greift nicht.“ Genau an diesem Punkt lohnt es sich, das Thema nicht weiter zu individualisieren, sondern systemischer zu betrachten.

Gestresste Führungskraft reibt sich die Augen

Warnsignale, dass es kein Einzelfall mehr ist

Bestimmte Muster deuten darauf hin, dass schwieriges Verhalten nicht nur an einer einzelnen Person hängt, sondern durch das Umfeld mitbedingt wird. Führungskräfte erleben dann häufig, dass sie viel Energie in Gespräche investieren, ohne dass sich nachhaltig etwas verändert. Typische Anzeichen dafür sind:

  • Ähnliche Verhaltensweisen tauchen bei mehreren Mitarbeitenden auf
  • Gespräche zeigen kurzfristige Wirkung, verpuffen aber schnell
  • Führungskräfte führen immer wieder dieselben Gespräche
  • Im Team entstehen Rückzug, Zynismus oder unterschwellige Spannungen

Auffällig ist dabei weniger die Heftigkeit einzelner Situationen als ihre Regelmäßigkeit. Wenn Führung immer wieder korrigierend eingreifen muss, obwohl Erwartungen klar sind, ist das ein starkes Signal. Spätestens hier lohnt es sich, innezuhalten. Denn Mitarbeiter in die Schranken weisen wirkt nur begrenzt, wenn das System dieselben Muster immer wieder neu erzeugt – unabhängig davon, wer gerade im Fokus steht.

Warum schwieriges Verhalten oft systemisch entsteht – und wie Sie konkret vorgehen können

Wenn diese Warnsignale auftreten, lohnt es sich, einen Schritt zurückzutreten – nicht um weniger zu führen, sondern um gezielter zu führen. Statt das nächste Gespräch noch schärfer zu formulieren und den Mitarbeiter in die Schranken zu weisen, geht es jetzt darum zu prüfen, welche Rahmenbedingungen das Verhalten begünstigen. Denn Führung wirkt nur dann nachhaltig, wenn nicht jede Situation einzeln korrigiert werden muss.

Schwieriges Verhalten in 3 Schritten thematisieren
Schwieriges Verhalten in 3 Schritten thematisieren

1. Muster erkennen statt Personen bewerten
Der erste Schritt besteht darin, das Verhalten aus dem individuellen Kontext zu lösen und auf wiederkehrende Muster zu schauen. In welchen Situationen tritt das Verhalten besonders häufig auf? Geht es um Meetings, Entscheidungsfindung, Verantwortungsübergaben oder Prioritäten? Diese Beobachtung hilft, das Thema einzugrenzen – weg von der Person, hin zum Kontext. Genau hier entsteht oft erstmals Klarheit darüber, worum es eigentlich geht.

2. Rollen, Regeln und Erwartungen gemeinsam klären
Im nächsten Schritt geht es um Struktur. Wo sind Rollen und Zuständigkeiten nicht eindeutig? Welche Entscheidungen dürfen Mitarbeitende selbst treffen – und welche nicht? Welche Regeln für Zusammenarbeit gelten tatsächlich im Alltag? Diese Fragen lassen sich selten im Einzelgespräch lösen. Sinnvoller ist es, das Thema ins Team zu holen und gemeinsam verbindliche Spielregeln festzulegen – etwa in einem moderierten Workshop oder einer gezielten Teamreflexion. Wichtig ist, dass aus Diskussionen konkrete Vereinbarungen entstehen.

3. Klarheit konsequent im Alltag verankern
Neue Vereinbarungen wirken nur, wenn sie im Alltag sichtbar bleiben. Das bedeutet, dass Führung diese Regeln aktiv nutzt: in Meetings darauf Bezug nimmt, Erwartungen regelmäßig spiegelt und bei Abweichungen ruhig, aber konsequent nachsteuert. Mitarbeiter in die Schranken weisen wird dadurch entpersonalisiert. Führung verweist nicht mehr auf individuelle Befindlichkeiten, sondern auf gemeinsam vereinbarte Standards.

So verändert sich Führung spürbar. Sie muss weniger korrigieren, weniger diskutieren und weniger rechtfertigen. Stattdessen entsteht Orientierung durch klare Strukturen – und genau das macht Verhalten langfristig steuerbar.

Fazit: Klarheit schafft Führung – und entlastet

Schwierige Mitarbeitende sind selten das eigentliche Problem. Entscheidend ist, wie klar Führung mit Verhalten, Erwartungen und Grenzen umgeht. Mitarbeiter in die Schranken weisen bedeutet nicht, härter zu werden, sondern konsequenter, strukturierter und bewusster zu führen. Wer Haltung zeigt, Gespräche sauber führt und Rahmenbedingungen klärt, verhindert, dass Konflikte eskalieren oder sich verfestigen.

Gleichzeitig gilt: Nicht alles lässt sich allein lösen. Wenn Gespräche ins Leere laufen, Konflikte das Team belasten oder Strukturen unklar bleiben, ist externe Unterstützung oft der wirksamere Schritt. Führungskräfte-Coaching, Konfliktmediation oder gezielte Teamformate helfen, Klarheit herzustellen, Muster aufzulösen und Führung wieder handlungsfähig zu machen.

Der wichtigste Punkt zum Schluss: Je klarer Führung heute handelt, desto weniger Energie kostet sie morgen. Und genau das macht Zusammenarbeit langfristig leichter – für Sie und Ihr Team.

Entspannter Manager im Büro

Literaturverzeichnis

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Kratz, H. J. (2021). Mensch Mitarbeiter!: Der richtige Umgang mit Besserwissern, Frustrierten, Perfektionisten, Querulanten, Mobbern und Co. Walhalla Fachverlag.

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Schulz, R. (2024). Toolbox zur Konfliktlösung: Konflikte schnell erkennen und erfolgreich bewältigen. ZIEL Verlag.

Wawrzinek, U. (2020). Kompass für schwierige Führungssituationen: wie Sie Team-und Mitarbeiterkonflikte souverän lösen. Schäffer-Poeschel.

Christoph Gredel Gründer changeXperten

Über den Autor

Christoph Gredel

Gründer changeXperten | Beratung, Coaching & Training für die erfolgreiche Weiterentwicklung von Organisationen, Teams & Führungskräften: 📈 +65 % höhere Zielerreichung ⏱️+25 % schnellere Umsetzung 💸+220 % ROI